Fesseln spürt, wer sich bewegt

Fesseln spürt, wer sich bewegt
von Stuart Price

Die Sicherheitsphilosophie der europäischen Staatsschutz- organe postuliert eine permanente »Gefährdungslage«. Operativ reagieren diese auf ihre eigenen Postulate mit flächen- deckender Überwachung, Erstellung lückenloser Bewegungsprofile und Sammlung unzähliger personenbezogener Daten – ob Konsum- verhalten, Telefonverkehr oder Internetnutzung.

Der Feindbegriff wird auf das Potentielle, das nicht Angepasste, das Eigenständige erweitert. Die Erweiterung des Feindbegriffs wird begleitet von einer permanenten Militarisierung der Polizei, in der die  Grenze zwischen sich und dem traditionellen Militär – als Beispiel Genua 2001 – letztlich auflöst ist.

Die verinnerlichte Funktionsstrukturierung für die bestehende Wirtschafts- und Sozialordnung ist der Bezugspunkt des Sicherheitsstaats; nur im Funktionieren für das System ist der Mensch kein politischer Feind.  Gegenüber dem Insistieren des Subjekts auf individuelle und kollektive Autonomie und der strukturellen Schaffung ihrer gesellschaftlichen Bedingung muß der Sicherheitsstaat terroristisch werden.

Wenn wir gegen diese Entwicklung keinen Widerstand leisten, werden wir uns bald in einem wahnwitzigen, totalitären europäischen Sicherheitsstaat als Gefangene einer machtgestützten, um sich schlagenden Normalität von Verwertung und Anpassung wiederfinden.
 

Mit Texten von: 

 Stuart Price; Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Heinz-Jürgen Schneider

Orginaltitel: Stuart Price: Worst-Case Scenario?: Governance, Mediation and the Security Regime bei Zed Books Ltd, London 2011

 

21,00 €
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ISBN:
9783942281003