Jacques Rancière: Die Lektion Althussers

Jacques Rancière: Die Lektion Althussers
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Laika Theorie Band 40       ISBN 978-3-944233-02-4 Erschienen August... mehr
"Jacques Rancière: Die Lektion Althussers"
Laika Theorie Band 40
 
 
 
ISBN 978-3-944233-02-4
Erschienen August 2014
216 Seiten

Jacques Rancières erstes Werk, zweifellos bis heute eine seiner wesentlichsten Schriften, erschien 1975 in Frankreich und hat seither nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Mit der Verspätung von 37 Jahren erschien es 2011 erstmals in englischer Übersetzung. Nun endlich liegt Die Lektion Althusseres in deutscher Übersetzung vor.

Die eklatante Entwicklung der Widersprüche im System des Neoliberalismus hat zu einem neuen Interesse an der Marxschen Theorie geführt. Selbst in FAZ und ZEIT findet man zunehmend Verweise auf sein Werk, an Hochschulen werden Symposien zu »Neomarxismus« und »Postmarxismus« organisiert und gleichzeitig sensibel darauf geachtet, dass all dies keinen Bezug zu praktischer Politik gewinnt. So bleibt der Seminar-Marxismus ein modisches Spielzeug des akademischen Betriebs und gilt als Ausweis intellektueller Distinktion. Es geht nicht darum, das System des Kapitals zu verstehen, um es zu überwinden, sondern um theoretische Wanderungen in ein Labyrinth weltloser Exegese. Hier liegt die Aktualität von Rancières Werk Die Lektion Althussers begründet. Er denunziert jene im akademischen Ghetto gefangenen Theoretiker, deren Denkschulen über bloße Rhetorik nicht hinauskommen, und die sich der revolutionären Praxis immer dann entziehen, wenn die Gefahr des Steppenbrands besteht.

Gemeinsam mit Étienne Balibar und Alain Badiou gehörte Jacques Rancière zu den sogenannten Meisterschülern Althussers, dem in den späten sechziger Jahren wohl einflussreichsten französischen Philosophen. Rancière, der auch einen Teil von Althussers Das Kapital lesen verfasste, brach jedoch Anfang der siebziger Jahre mit dem Strukturalismus seines Lehrers. Seine Lektion Althussers ist eine dezidierte, teilweise polemische Abrechnung mit Althusser, dem er vorwarf, seine Philosophie diene letztlich ebenfalls nur der Bewahrung des akademischen Elfenbeinturms und habe in der Konfrontation mit politischer Praxis völlig versagt. Der scharfe Angriff auf seinen früheren Mentor war nicht zuletzt der Erfahrung des Scheiterns der Mai-Revolte geschuldet. Zwar gehörte Althusser zu den Vordenkern des Mai 68, als es jedoch zum Generalstreik kam und neun Millionen französische Arbeiter dem Kapital ihren Dienst versagten, folgte Althusser der Parteidisziplin der KPF, die dem Aufstand die Spitze nahm, indem sie für mediokre Lohnerhöhungen auf den Sturz des gaullistischen Systems verzichtete. Der Niedergang der einst stärksten KP Westeuropas ist nicht zuletzt diesem Umstand geschuldet. Für Rancière war damit der Offenbarungseid des »Althusserismus« geleistet. Er konfrontierte ihn in seiner Lektion Althussers mit Marx’ 11. Feuerbachthese, wonach die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert hätten, es aber darauf ankomme, sie zu verändern.

 

Jacques Rancière, 1940 in Algier geboren, studierte bei Louis Althusser Philosopie und lehrte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 an der Universität Paris Vincenne- Saint Denis. Sein Werk umfasst mehr als dreißig Bände, darunter Die Nacht der Proletarier und Der Philosoph und seine Armen. Mit Die Lektion Althusser liegt nun eines seiner wichtigsten Werke erstmals in deutscher Sprache vor.

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